OICC Märchen

Es war einmal vor langer, langer Zeit ein Königreich, das nannte man Blinitien (andere gaben ihm den Namen Blini oder Odilien-Institut). Dort herrschte der König Waltarius I. und die Königin Agnesia; sie hatten eine wunderschöne und überaus kluge Tochter, die Varia hieß.

Sie lebten im Zeitalter des Computers, und deshalb gab es in ihrem Schloß eine nicht überschaubare Anzahl von diesen Wunderdingern. Aber leider funktionierten sie nicht immer so, wie man es von ihnen erwartete. So holten sie Techniker ins Land. Da kamen beispielsweise Petarius aus dem Nachbarreich Gratec und aus dem Land hinter den sieben Bergen (aber nicht bei den sieben Zwergen) Martinus angereist. Aber auch ihr Bemühen half nicht immer. Es war wie verhext, die Computer schienen manchmal ihren eigenen Willen zu haben.

In seiner Ratlosigkeit beschloß der König, seine Tochter nur dem Prinzen zur Frau zu geben, der auch all die Computer-Probleme lösen konnte.

Die Kunde verbreitete sich schnell im Reich und in den anderen Ländern. Und viele Prinzen kamen, um ihr Glück zu versuchen. Aber es gelang keinem und so wurde der eine oder andere zum Bytezählen in den Speicher des Zentralcomputers verdonnert oder gar zu lebenslanger Stallarbeit verurteilt - je nach Gutdünken des Königs. Die Prinzessin aber bekam keiner zur Frau.

Einmal zog der arme Handwerksbursch, Micro, durch das Land. Er kam auch in die Nähe des Schlosses von König Waltarius, I., als die Prinzessin gerade im Garten spazieren ging. Der Bursch konnte sich gar nicht satt sehen an der Schönheit der Prinzessin. So geschah es, daß er ihr folgte und sich plötzlich dem König vorgeführt sah.

Der König fragte den armen Handwerksburschen, ob er hier Arbeit im Garten finden wolle. Doch der Bursche teilte dem König mit, daß er die Prinzessin zur Frau wolle und - nichts anderes. Der König glaubte, nicht richtig gehört zu haben. Da kam so ein Landstreicher in sein Schloß und wollte seine Varia heiraten.

Der König aber blieb ruhig und dachte sich, dem werde ich es schon zeigen. Er erzählte ihm von den Problemen in seinem Schloß. Sollte Micro es schaffen, die ihm gestellte Aufgabe zu lösen, so sollte er die Königstochter zur Frau bekommen. (Und es war von vornherein klar, daß er das nicht schaffen konnte.)

Die erste Aufgabe lautete: beim Krähen des ersten Hahnes am nächsten Morgen sollte Micro alle Computerteile, die in der Computer-Rumpelkammer herumlagen, geordnet und zu funktionstüchtigen Computern zusammengebaut haben.

Der Bursche wurde in die Kammer geführt. Aber was sah er da: Kabel, Schalter, Festplatten, Tastaturen, Monitore, Laufwerke und vieles mehr. Micro hatte noch nie etwas mit Computern zu tun gehabt. Er kannte kaum die einzelnen Teile beim Namen. Betrübt setzte er sich in eine Ecke: was sollte jetzt aus ihm werden: ein Stallbursche? ein Byte-Zähler ? - er hatte zu keinem Lust.

Da kitzelte ihm plötzlich etwas an der Nase und er vernahm eine wispernde Stimme: "Wenn du mir einen Namen gibst, so kann ich dir helfen". Micro überlegte kurz und sagte: "Du sollst Computerfee heißen." Das kitzelnde Etwas wirbelte vor Freude vor ihm herum und riet ihm, ihr zu folgen. So folgte der Bursche einer unsichtbaren Computerfee. Sie führte Micro hinaus aus dem Schloß, über Wiesen und Felder; und am Waldesrand zeigte sie ihm das Hardwarekraut. Davon solle er reichlich mitnehmen und alle Computerteile berühren, alles weitere werde sich zeigen.

Micro pflückte von dem Kraut, soviel er tragen konnte und tat, wie ihm die Fee geheißen hatte. Er konnte zwar nicht glauben, daß das sein Problem lösen konnte - aber er wußte sonst nichts zu tun.

Er streifte mit dem Kraut über alles, was ihm in der Rumpelkammer unter die Finger kam, und legte sich schließlich schlafen. Der Tag erwachte und schon krähte der erste Hahn, als auch schon der König, ein leidenschaftlicher Frühaufsteher, in die Kammer kam. Er traute seinen Augen nicht. Da standen in Reih und Glied mindestens zehn Computer, kein einzelnes Teilchen lag herum; alle Rechner waren einsatzbereit.

Micro konnte selbst nicht verstehen, was geschehen war, aber als er sich vom ersten freudigen Schreck erholt hatte, erinnerte er gleich den König an sein Versprechen.

Der König aber wollte davon nichts wissen. Und zu seinem Glück kamen gerade die Techniker Martinus und Petarius daher. Sie waren die Lieblingstechniker von Waltarius, dem Ersten; und sie hatten dem Herrscher von Blinitien mitzuteilen, daß es im Arbeitsraum A 3 bereits vor einer Woche zu einem Festplattencrash gekommen war. Alle Versuche der Techniker, neue Festplatten zu aufzutreiben, schlugen fehl. Daß viele wertvolle Daten verloren waren, verschwiegen sie vorerst einmal; denn sie waren sehr nachlässig beim Abspeichern ihrer Daten auf Disketten gewesen.

Der König wandte sich aber gleich an Micro: Sollte er es schaffen, die Festplatten zu reparieren (was ein Ding der Unmöglichkeit war), dann sollte Varia seine Frau sein.

Was sollte Micro tun? Er setzte sich im Garten des Schlosses unter einen Baum, holte seine Flöte heraus und spielte ein paar Lieder. Auf einmal sah er vor sich ein ganz winzig kleines Männlein, das vergnügt vor ihm zu tanzen begann. Unserem Möchtegern-Prinzen gefiel das, und er spielte und spielte und das Männlein tanzte, daß es eine Freude war ihm zuzusehen. Als es genug im Kreis herumgehopst, -gesprungen und -gewirbelt war, setzte es sich auf die Knie von Micro und sagte ihm, daß er für die schöne Musik einen Wunsch offen habe. Was wünschte sich Micro? - Natürlich die Prinzessin zur Frau. Das Männlein erklärte ihm, es könne sich auf ihn verlassen und brauche sich keine Sorgen machen. Es hüpfte davon und war schon nicht mehr gesehen.

Und am nächsten Morgen in der Früh, die Techniker schliefen noch tief, kamen die Hof- und Schuldiener Erichias, Morandello, Marinos, Alexus, Michaelikus und Bartus aufgeregt zum König, verbeugten sich tief und erzählten ihm von dem Wunder. Alle Computer liefen wieder und auch waren keine Daten verloren gegangen.

Der König wurde ganz blaß - das konnte doch nicht sein, daß er seine Tochter nun diesem dahergelaufenen Handwerksburschen geben sollte. Er weihte seine Diener in die Sache ein. Diesen fiel sofort die Lösung ein. Es gab da noch einen Arbeitsraum, der wurde schon seit einem Jahr nicht mehr benutzt, weil die Computer nicht mehr speicherten. Das war die Aufgabe für Micro! Damit konnte er nicht fertig werden!

So wurde Micro vor den König gerufen und ihm die dritte Aufgabe gestellt. Micro versuchte sich zu wehren, hatte er doch schon zwei gelöst. Aber es half alles nichts. Erst wenn die Rechner wieder alles speicherten, dann sollte Hochzeit gehalten werden.

Enttäuscht verließ er das Schloß. Was konnte er nur tun? Er wollte die Königstochter zur Frau, und er war sich sicher, daß er sie bekommen würde.

Als er dann an der Schloßmauer vorbeiging, hörte er aus dem Fenster die Stimmen vieler Kinder dringen. Er pfiff und schon drängten sich die Kinder ans Fenster.

Sie waren beim König zu Gast und kamen aus aller Herren Länder. Der König und die Königin waren im ganzen Land als sehr großzügig bekannt, sie hatten sie eingeladen, damit sie bei ihnen ihr Wissen erweitern konnten; obwohl sie alle schon richtige Genies im Umgang mit diesen elektronischen Geräten waren. Außerdem liebten sie es, wenn junge Leute die Gemächer bevölkerten und es gab auch Unterhaltung für Varia.

Die Kinder waren alles Prinzessinnen und Prinzen:

Bettina von Krügel; Karolin von Minixhofen; Lisa von Goisern; Madame d'Acur; Michaela von Stock; Nicole, die I.; Sarah von Hohruck; Ursula von Raunig.

Benedikt von Fellbaum; Gerhard von Seucht; Helmuth von Schlegel; Michael von Baldur; Michael von Steinwand; Nico von Horn und Stein; Patrick von Zündella; Peter von Payerhofen; Stefan von Hauseck; Stefan Martin, der I.; Ulrich von Jahrhausen;

Die Kinder - vom vielen Computern schon ganz müde, wollten einmal eine Geschichte hören und baten Micro, er möge ihnen doch eine erzählen; Micro kannte viele Geschichten und gerne erzählte er eine. Den Kindern machte es großen Spaß, ihm zuzuhören und als Dank boten sie ihm Hilfe an, wenn er einmal eine bräuchte. Da berichtete Micro gleich von seinem Problem und verabschiedete sich schließlich. Er legte sich unter einem Baum und schlief ein.

Die Kinder schlichen sich in der Nacht in den besagten Arbeitsraum und werkten eifrig herum. Gemeinsam - allen Technikern zum großen Rätselraten - schafften sie es, den Schaden zu beheben.

Und am nächsten Tag - der König konnte nun wirklich nicht mehr anders -mußte er sein Versprechen endlich einlösen. Varia hatte von Anfang an Gefallen an diesem pfiffigen Burschen gefunden und freute sich, ihn zum Manne zu bekommen.

Und es wurde Hochzeit gefeiert; die Köchinnen des Hofes tischten auf, daß sich die Tische bogen - es war ein großes Fest. Alle Kinder d. h. Prinzen und Prinzessinen, alle Hof- und Schuldiener und viele, viele Gäste kamen, um zu feiern.

Und wenn sie nicht gestorben sind, feiern sie noch heute und tanzen zu flippiger Discomusik.

Und Karin, Senta, Ilse und ich, wir waren dabei - und haben mit getrunken, gegessen, getanzt, gelacht und gespielt - bis das Märchen aus war.

Maria Rosenberger

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